Japandi-Stil: Die Kunst der reduzierten Gemütlichkeit
Die Beleuchtung musste ich zweimal umplanen. Die Deckenlampe war zu grell, also installierte ich eine dimmbare Schiene mit drei Spots, die ich auf die Wände richten kann. Dazu kam eine Stehlampe mit einem Schirm aus Reispapier, die ein sanftes, warmes Licht wirft. Der Japandi-Stil setzt auf mehrere Lichtquellen, die man je nach Stimmung schalten kann. Abends dimme ich alles auf zwanzig Prozent, lege mich auf mein Bett und genieße die Stille. Das Licht fällt durch die Jalousien aus Bambus, die ich statt schwerer Vorhänge gewählt habe. Sie filtern das Tageslicht und geben dem Raum eine fast meditative Qualität.
Ich habe gelernt, dass die Lichtfarbe den Raum größer erscheinen lässt. Kaltweißes Licht um 4000 Kelvin wirkt steril, aber warmweißes Licht um 3000 Kelvin macht den Raum weicher. In kleinen Wohnungen mische ich beides: Eine Deckenlampe mit neutralweißem Licht für die Grundhelligkeit und mehrere warmweiße Lampen für die Gemütlichkeit. Das täuscht dem Auge vor, der Raum sei tiefer. Besonders effektiv ist ein Spiegel gegenüber einer Lampe. Er reflektiert das Licht und verdoppelt die Helligkeit. Ich hänge immer einen großen Spiegel an die Wand, die am meisten Licht abbekommt. Das öffnet den Raum optisch um mehrere Quadratmeter.
Die Wandgestaltung war der nächste Schritt. Statt Bilderrahmen oder Poster entschied ich mich für eine einzelne, große Leinwand mit einer abstrakten Tuschezeichnung in Schwarz und Grau. Die Leinwand hängt an einem dünnen Seil, das an einer Eichenleiste befestigt ist – eine Anlehnung an die japanische Shōji-Ästhetik. Die Farbpalette im Raum ist bewusst reduziert: Beige, warmes Grau, ein Hauch von Senfgelb in den Kissenbezügen. Jedes Accessoire musste eine Daseinsberechtigung haben. Ein paar getrocknete Zweige in einer schlichten Vase aus rauem Ton, eine Leselampe aus Bambus mit indirektem Licht. Kein Schnickschnack, keine Souvenirs. Der Japandi-Stil lehrt mich, dass Leere nicht kalt ist, sondern Raum für Ruhe schafft.
Neben dem Bett brauchte ich eine Sitzgelegenheit für Gäste, die auch als Notbett dient. Meine Wahl fiel auf eine kanapa z funkcja spania von einem dänischen Hersteller. Sie hat einen schlanken Metallrahmen und eine tapicerka welurowa in einem sanften Grau, das sich weich anfühlt und den Raum nicht überlädt. Der Clou ist der mechanizm DL, der die Rückenlehne mit einem Handgriff in eine Liegefläche verwandelt. Die Liegefläche misst 190 mal 120 Zentimeter, genug für einen Freund, der mal übernachtet. In meiner alten Wohnung im Mehrfamilienhaus einrichten hatte ich eine klobige wersalka, die den halben Raum einnahm und unbequem war. Diese hier ist anders: Tagsüber dient sie als gemütliche Leseecke mit zwei Kissen, nachts wird sie zum Bett. Der Japandi-Stil verlangt, dass jedes Möbelstück mehrere Funktionen erfüllt, ohne auf Ästhetik zu verzichten.
In meinem Wohnzimmer steht eine schicke Polstercouch, die ich bewusst ausgewählt habe. Sie hat eine angenehme Sitzhöhe, eine weiche Rückenlehne und der Bezug ist strapazierfähig. Ich habe mich für einen Stoff in einem warmen Grauton entschieden, der Flecken gut verzeiht. Darunter habe ich flache Aufbewahrungsboxen geschoben, in denen Decken und Kissen verschwinden. Das ist unsichtbarer Stauraum, den man leicht übersieht. Wenn du öfter Besuch hast, überlege, ob eine Ottomane oder ein Hocker mit Stauraum besser passt. Sie bieten zusätzliche Sitzgelegenheiten und verstecken gleichzeitig Zeitschriften oder Fernbedienungen. So bleibt dein Wohnzimmer aufgeräumt, ohne dass alles in offenen Regalen herumsteht.
Manchmal merke ich, wie sehr der Japandi-Stil meine Wahrnehmung verändert hat. Früher kaufte ich Krimskrams auf Flohmärkten, jetzt überlege ich wochenlang, ob ein neues Stück wirklich in mein Konzept passt. Kürzlich stand ich vor einer Lampe aus Reispapier – wunderschön, aber sie hätte die Symmetrie im Raum gebrochen. Also ließ ich sie stehen. Diese Disziplin fällt schwer, aber sie befreit. Der Raum atmet, und ich atme mit ihm. Die Farbpalette ist erdig: Ocker, Salbeigrün, ein Hauch von Rost. Kein Schnickschnack, nur Töne, die die Seele beruhigen.
Das größte Hindernis war die Stauraumfrage. In meinem Schlafzimmer gab es keinen Schrank, und ich musste Bettwäsche, Decken und Winterkleidung irgendwo verstauen. Die Lösung fand ich in einem lozko z pojemnikiem na posciel. Der Rahmen hat einen integrierten Kasten, der unter der Matratze liegt und durch einen Gasdruckmechanismus leicht angehoben wird. So habe ich zwei Kubikmeter Stauraum gewonnen, ohne dass das Möbelstück klobig wirkt. Die Matratze ist ein 16 cm dicker materac piankowy mit einer mittelfesten Liegezone, der sich perfekt an meine Schultern anpasst. Der Bezug ist aus Bio-Baumwolle und lässt sich abnehmen – ein Segen für Allergiker wie mich. Der von solchen funktionalen Details, die nicht nur schön, sondern auch durchdacht sind.
Ein echtes Problem war der Boden. Das helle Laminat fühlte sich kalt an, besonders im Winter. Ich legte eine große Matte aus Jute unter das Bett, die den Raum erdet und für Wärme sorgt. Jute ist ein Naturmaterial, das perfekt in den Japandi-Stil passt, und sie ist robust genug für den Alltag. Daneben stellte ich einen kleinen Hocker aus geöltem Teakholz, der als Ablage für mein Buch und die Brille dient. Der Hocker hat eine runde Form, die die Strenge der geraden Linien im Raum aufbricht. Ich bemerkte, dass solche organischen Elemente den Stil lebendig machen. Ohne sie wirkt der Raum schnell wie ein Möbelkatalog.